ATEX-Bohrmaschinen

ATEX-Bohrmaschinen: Druckluft, Hydraulik oder HFA – welche Lösung eignet sich für welchen Einsatzfall?

In explosionsgefährdeten Bereichen zählt neben der Bohrleistung vor allem die sichere Beherrschung potenzieller Zündquellen – auch bei Nässe, beengten Einbausituationen oder Unterwasserarbeiten.

Explosionsgeschützte ATEX-Bohrmaschinen werden daher in nicht-elektrischer Ausführung realisiert und – abhängig von der vorhandenen Infrastruktur – mit Druckluft-, Hydraulik- oder HFA-Antrieb betrieben. SPITZNAS als Spezialist für ATX-Werkzeuge entwickelt und liefert Ihnen passende Lösungen für explosionsgefährdete Bereiche sowie für Untertage- und Unterwasseranwendungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Antriebsprinzip statt Elektromotor:
    Pneumatik, Hydraulik (offener Kreislauf) oder HFA (geschlossener Kreislauf).
  • Bohrprozess passend zum Werkstoff:
    Bohren vs. Schlagbohren – abhängig von Werkstoff, Bohrdurchmesser und gewünschter Produktivität.
  • Ex- und Unterwasser-Einsatz:
    Je nach Bauform und Ausführung sind sowohl ATEX- als auch Unterwasser-Ausführungen möglich.
  • HFA im Untertagebereich:
    Emulsionsbetrieb im geschlossenen Kreislauf (HFA, mind. 0,3 % Ölanteil) – für typische Anforderungen im Untertage-(Kohle-)Bergbau ausgelegt.
  • ATEX-Eignung:
    Maßgeblich sind die ATEX-Kennzeichnung der konkreten Ausführung sowie die Betreiber-Vorgaben (Explosionsschutzdokument).
Werkzeugkategorie Programmvielfalt (Auszug) System / Medium Typische Einsatzfelder Unterwasser-Eignung
Druckluft-Bohrmaschinen Einhand-/Zweihand-Bohrmaschinen, schlagende pneumatische Werkzeuge, Kleinbohrmaschinen Druckluft Service/Instandhaltung, Energie- und Rohrleitungsbau, Metallindustrie und Stahlbau Ja, modellabhängig
Hydraulische Bohrmaschinen Kleinbohrmaschinen, Bohrhämmer, Eckenbohrmaschinen, Kernloch- und Magnet-Kernloch-Systeme Hydraulik (offener Kreislauf) Schwere Montage, enge Zugänge, große Durchmesser Ja, modellabhängig
HFA-Bohrmaschinen Zweihand-Bohrmaschinen (Bohren/Schlagbohren) HFA-Emulsion (geschlossener Kreislauf) Untertage-Kohlebergbau Nein

 

Druckluft-Bohrmaschinen – wann sind sie die pragmatischste ATEX-Lösung?

Druckluft ist oft die einfachste und praktikabelste Lösung, wenn bereits eine stabile Druckluftversorgung vorhanden ist und ein handgeführtes Werkzeug mit klarer Bedienlogik gefragt ist. Typische Anwendungen sind Metall- und Montagearbeiten sowie Service- und Instandhaltungsaufgaben – auch bei Arbeiten unter Wasser.
Merkmale von explosionsgeschützten Druckluft-Bohrmaschinen im ATEX-Umfeld:
  • kompakte, robuste Bauformen
  • einfache Handhabung als Einhand- oder Zweihandgerät
  • bewährte Technik in Service, Instandhaltung und Montage
  • ATEX-Ausführungen innerhalb ausgewählter Baureihen
  • Unterwasser-Varianten verfügbar, abhängig von der konkreten Ausführung
Für Metall- und Montagearbeiten hat sich die Kleinbohrmaschinen-Klasse mit Bohrfutteraufnahme bis Ø 13 mm etabliert.

Beispielkonfiguration Metallindustrie/Instandhaltung

  • Kleinbohrmaschine: BEST.-NR. 2 1261 0010
  • Antrieb: Druckluft bei 6 bar
  • Bohrfutteraufnahme: bis Ø 13 mm
  • Drehzahl leer: 850 1/min
  • Leistung: 0,50 kW
  • Luftverbrauch: 0,60 m³/min
  • Gewicht: 2,3 kg
Zu den Pneumatik-Bohrmaschinen

 

Hydraulik-Bohrmaschinen – wenn Drehmomentreserve und Spezialbauformen gefragt sind

Explosionsgeschützte hydraulische Bohrmaschinen für den offenen Hydraulikkreis adressieren Anwendungen, in denen unter Last ein hohes, gleichmäßiges Drehmoment benötigt wird – kombiniert mit einer robusten Medienführung in rauen Umgebungen.
Zum Portfolio gehören neben klassischen Handbohrmaschinen vor allem Spezialbauformen, die in Projekten häufig den Unterschied machen:
  • Eckenbohrmaschinen für schwer zugängliche Geometrien
  • Bohrhämmer für mineralische Werkstoffe
  • Kernloch- und Magnet-Kernloch-Systeme für größere Durchmesser und reproduzierbare Bohrungen
Hydraulik-Bohrmaschinen sind je nach Bauform sowohl im ATEX-Bereich als auch unter Wasser einsetzbar.

 

Beispielkonfiguration Stahlbau/beengte Geometrien

  • Hydraulik-Eckenbohrmaschine: BEST.-NR. 2 1806 0010
  • Bohrleistung in Stahl: bis Ø 32 mm
  • Leistung: 2,80 kW
  • Betriebsdruck: 80–140 bar
  • Volumenstrom: 15–50 l/min
Zusätzlich müssen Anforderungen an Ölreinheit und Öltemperatur eingehalten werden, um Standzeit und Dauerlastbetrieb zu sichern.

Beispielkonfiguration Unterwasser/große Durchmesser

  • Hydraulik-Magnet-Kernloch-Bohrgerät: BEST.-NR. 2 1345 0020
  • Bohrbereich: Kernbohren von Ø 12–100 mm
  • Magnetkraft: 1.500 kg
  • Leistung: 2,50 kW
Je nach Ausführung kann das System sowohl in ATEX-Bereichen als auch unter Wasser eingesetzt werden – ideal, wenn sichere Fixierung, hohe Präzision und wiederholgenaue Bohrparameter erforderlich sind.
Zu den hydraulischen Bohrmaschinen

 

HFA-Bohrmaschinen – Standard im Untertage-Kohlebergbau

Wenn im Bergbau eine HFA-Infrastruktur vorgegeben ist, führt der Weg über explosionsgeschützte HFA-Zweihand-Bohrmaschinen im geschlossenen Hydraulikkreis. Die Auslegung ist speziell auf HFA-Emulsionen mit mindestens 0,3 % Hydraulikölanteil abgestimmt. Damit ist der Einsatz für ATEX-Zone I vorgesehen.
Im Sortiment stehen folgende Konfigurationen zur Verfügung:
  • Zweihand-Bohrmaschine, BEST.-NR. 2 3053 0010 – Bohren
  • Zweihand-Bohrmaschine, BEST.-NR. 2 3054 0010 – Schlagbohren
Diese Werkzeuge erfüllen typische Untertage-Anforderungen, bei denen Medienstandard, Bedienkonzept und Prozessstabilität im Vordergrund stehen und Abweichungen bei den Spezifikationen nicht vorgesehen sind.
Zu den HFA-Bohrmaschinen

 

Schritt für Schritt zur explosionsgeschützten ATEX-Bohrmaschine

In der Praxis laufen Projekte besonders stabil, wenn Medium, Druckniveau und Bohrmaschine zusammen geplant werden – nicht nacheinander. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft dabei, das richtige Werkzeug für die jeweiligen Anforderungen zu finden.
  1. Einsatzumgebung festlegen

    Zu prüfen sind Zone und Atmosphäre, also Gas oder Staub, Feuchte beziehungsweise Unterwasser-Einsatz, Zugänglichkeit und Montageposition.

    Beispiel: Untertage, Zone I, feuchte und beengte Umgebung → HFA-Bohrmaschine im geschlossenen Kreislauf.

     

  2. Medium wählen
    • Druckluft-Bohrmaschine: wenn Druckluft vorhanden ist, kompakte Handgeräte und kleine Durchmesser gefragt sind.
    • Hydraulik-Bohrmaschine: wenn hohe Drehmomentreserve, große Durchmesser oder Spezialbauformen benötigt werden.
    • HFA-Bohrmaschine: wenn Untertage-Kohlebergbau, geschlossener Kreislauf und Einsatz in Zone I vorgegeben sind.

     

    Kurzbeispiele

    • Werkhalle mit Druckluft, Ø bis 13 mm → Druckluft-Kleinbohrmaschine
    • Stahlbau mit großen Durchmessern → Hydraulik-Magnet-Kernloch-System
    • Untertage-Kohlebergbau mit HFA → HFA-Zweihand-Bohrmaschine

     

  3. Bohrprozess festlegen
    • Bohren: metallische Werkstoffe, Standard-Durchmesser, ruhiger Lauf
    • Schlagbohren: mineralische Werkstoffe wie Gestein oder Beton, hoher Materialabtrag

     

  4. Schnittstellen und Peripherie prüfen

    Werkzeugaufnahme, Vorschub, Spülung oder Absaugung, Schlauchführung sowie Aggregat- und Netzparameter wie Druck, Volumenstrom und Medienqualität sollten vorab geprüft werden. So entsteht ein stabiler, sicherer und reproduzierbarer Betrieb.


 

Jetzt ATEX-Werkzeug anfragen und für sichere Arbeitsbedingungen sorgen

Für eine zielgerichtete Auslegung Ihrer ATEX-Bohrmaschine benötigen wir einige Kerninformationen zum Einsatzfall.

 

Wichtige Angaben sind:
  • Zone und Umgebung
  • Werkstoff und Bohrdurchmesser
  • gewünschter Prozess, zum Beispiel Bohren oder Schlagbohren
  • Medienversorgung, zum Beispiel Druckluft, Hydraulik oder HFA
  • besondere Randbedingungen, zum Beispiel Unterwasser, beengte Lage oder Magnetfixierung
Auf Basis dieser Informationen lässt sich die passende Werkzeugkategorie und Ausführung ableiten – inklusive klarer Schnittstellen- und Versorgungsparameter für die Anlage.
Als Spezialist für ATEX-Werkzeuge mit über 120 Jahren Erfahrung unterstützen wir Sie von der Auswahl bis zur projektspezifischen Auslegung.

 

FAQ

Welche ATEX-Zone ist möglich?

Die zulässige Zone ergibt sich aus der ATEX-Kennzeichnung der gewählten Ausführung und den Betreiber-Vorgaben im Explosionsschutzdokument.

 

Welche Voraussetzungen muss mein Druckluftsystem für ATEX-Bohrmaschinen erfüllen?

Projektentscheidend sind hauptsächlich Betriebsdruck und Liefermenge. Orientierungswerte ergeben sich aus der gewählten Klasse, zum Beispiel 6 bar und ein definierter Luftverbrauch bei typischen Kleinbohrmaschinen. Zusätzlich sollten Druckluftqualität, Wartungseinheit und Schlauchdimensionierung auf Dauerlast ausgelegt sein.

 

Welche Voraussetzungen muss mein Hydrauliksystem für ATEX-Bohrmaschinen erfüllen?

Neben Betriebsdruck und Volumenstrom sind Ölqualität und Temperaturfenster kritisch. Spezifizierte Werte zur Ölreinheit und zulässigen Öltemperatur helfen, Standzeit und Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb abzusichern.

 

Wann ist eine HFA-Bohrmaschine zwingend erforderlich?

Wenn der Untertage-Kohlebergbau den Medienstandard vorgibt: HFA-Emulsion im geschlossenen Kreis mit mindestens 0,3 % Ölanteil und Einsatzoption in ATEX-Zone I.

 

Welche Bohrmaschine eignet sich für Unterwasserarbeiten in Ex-Zonen?

Für Unterwasserarbeiten in explosionsgefährdeten Bereichen kommen je nach Aufgabe in der Regel hydraulische Bohrmaschinen oder spezielle Druckluft-Ausführungen zum Einsatz, die sowohl für ATEX als auch für den Unterwasserbetrieb freigegeben sind.

Entscheidend sind dabei:

  • die Medienführung, zum Beispiel Korrosionsschutz und Dichtkonzept
  • die Auslegung der Magnet- beziehungsweise Fixierlösungen
  • eine klare Festlegung der Zone im Explosionsschutzdokument

 

Was sind typische Fehler bei der Auslegung von Druckluft- oder Hydrauliksystemen?

  • zu knapp bemessener Volumenstrom oder fehlende Druckreserve
  • unterschätzte Druckverluste in Schläuchen und Kupplungen
  • vernachlässigte Medienqualität, zum Beispiel Ölreinheit oder Druckluftaufbereitung
  • fehlende Abstimmung von Werkzeugaufnahme und Prozess, zum Beispiel falsches Futter bei Schlagbohren
Eine frühzeitige Betrachtung von Medium, Leitungsführung und Prozessparametern vermeidet solche Probleme.

 

Wie sind ATEX-Bohrmaschinen von SPITZNAS zugelassen?

ATEX-Bohrmaschinen von SPITZNAS erfüllen die ATEX-Richtlinie 2014/34/EU und sind je nach Ausführung für die vorgesehene Zone nach EN 60079-0 beziehungsweise bei nichtelektrischen Geräten nach EN ISO 80079-36/-37 zugelassen.

Die konkrete Verwendung richtet sich nach der Zoneneinteilung und dem Explosionsschutzdokument des Betreibers. Für die Freigabe sollten Ex-Kennzeichnung, relevante Normen und Dokumente geprüft werden.